Die Klasse 10E besuchte am 05. März das historische Drama „Romeo und Julia“ von William Shakespeare im Schauspielhaus Neubrandenburg. Die Schüler konnten in einer abwechslungsreichen und kurzweiligen Vorstellung erleben, wie einem alten Klassiker der Schullektüre mit schrillen Kostümen, einem unerwarteten Bühnenbild und einem Mix aus Bühnen- und Alltagssprache neues Leben eingehaucht wurde.
Der Schüler Sig Waschitzek hat eine Rezension zu dem Stück verfasst.
Shakespeares „Romeo und Julia“ neu erzählt
William Shakespeare sagte einst: „Die Erfahrung zeigt, dass wahre Liebe unbezahlbar ist und kostbarer als alles Gold auf dieser Welt.“ Dieser Geist war deutlich spürbar, als am 5. März 2026 „Romeo und Julia“ im Schauspielhaus Neubrandenburg unter der Regie von David Czesienski aufgeführt wurde. Dieses Schauspiel, welches eine Mischung aus Werktreuer Umsetzung und Regietheater ist, bringt Gesellschaftskritik durch ein sehr altes Drama von William Shakespeare auf die Bühne. Die visuelle Gestaltung durch Lea Kissing und Hanna Roxane Scherwinski setzte dabei auf einen starken Kontrast zum Spielort. Während der Saal mit der Größe von etwa einer halben Turnhalle, seinem dunklen Parkett und den dunkelroten Wänden eine rustikale Aura ausstrahlte, präsentierte sich die Bühne mit einem grauen Vorhang und einer knallroten Rosenblüte, in deren Zentrum ein Boxring platziert war. Dieses ungewöhnliche Bühnenformat ermöglichte zwar dynamische Szenenwechsel, ließ jedoch ausgerechnet die berühmte Balkonszene etwas umständlich wirken.
Die Handlung bleibt im Kern dem Klassiker treu und thematisiert die Liebe auf den ersten Blick zwischen zwei jungen Menschen im alten Verona der Renaissance, deren Glück durch familiäre Probleme blockiert wird. Die Inszenierung bricht jedoch radikal mit sprachlichen Traditionen: Um die Motivation der jüngeren Generation zum Zuhören zu stärken, wurde die veraltete Sprache durch moderne Ausdrucksweisen ersetzt. Auch die abstrakten, hellen Kostüme unterstreichen den Versuch, aktuelle modische Strömungen aufzugreifen. Unterstützt wurde die Atmosphäre durch den gezielten Einsatz von Spezialeffekten wie Nebel und Licht; so färbte sich der Hintergrund beim Tod des Grafen Paris in einen bedeutungsschweren Rotton. Von dem toten Tybalt wurde noch mit einer E-Gitarre im weiteren Verlauf des Stückes eine passende musikalische Untermalung zu den jeweiligen Szenen beigetragen, die ebenfalls auf lustige Art und Weise in diese eingebunden wurden. Zum Schluss spielte Romeo als Geist noch ein Liebeslied auf einem Klavier bei dem alle mitsangen. Die schauspielerische Interpretation bot sowohl Bekanntes als auch Überraschendes. Tybalt, welcher aus dem Hause Capulet stammt, wurde wie gewohnt hektisch und vorlaut dargestellt, während die tiefe Freundschaft zwischen Romeo, Mercutio und Benvolio durch teils erotische Szenen eine neue Ebene erhielt. Eine markante Abweichung zum Original bildete Pater Lorenzo, der sich betont jung aufführte, um sein Alter zu kaschieren, und bei seinem ersten Auftritt durch Tanzeinlagen für Irritation sorgte. Ein besonderer Höhepunkt war der Boxkampf Mercutios, dessen spektakulärer Tod als tragischer Bühnenunfall inszeniert wurde. Dieser Ausbruch aus der original Handlung wirkte so real, dass im Publikum Panik und erstauntes Getuschel ausbrachen. Die allgemeine Darstellung der jeweiligen Rollen von Charlotta Grimm als Julia, Kevin Knobloch als Romeo, Lisa Scheibner als die alte Capulet und als Amme, Matthias Horn als Vater Montague und Pater Lorenzo, Florian Rast als Graf Paris und Fürst Ecsalus sowie Lennart Klappstein als Mercutio, Gina-Maria Böhlau als Benvolio und Vanja Hawemann als Tybalt wurden durch die Kostüme und die Art des Schauspielens sowie durch die angeführten Änderungen zur Originalversion wunderbar auf die Bühne gebracht.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese moderne Interpretation trotz gewagter Kostümwahl sehr gelungen ist. Zwar mag die Verwendung leuchtender Farben für ein so klassisches Werk für manche Zuschauer ungeeignet wirken und ältere Semester könnten aufgrund der rasanten Modernisierungen auf sprachliche Unstimmigkeiten stoßen, doch für ein junges Publikum ist das Stück ideal. Nach dem großen Applaus am Ende bleibt festzuhalten: Wer eine unerwartete und humorvolle Inszenierung sucht, wird hier definitiv am richtigen Ort sein.
Sig Waschitzek









