Am 12.3. besuchte die 10e das Theaterstück Der zerbrochene Krug. Der Schüler Leon Petz hat eine Rezension verfasst.
Das Lustspiel „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist ist nicht nur in Großstadttheatern zu finden, sondern auch in der Kreisstadt Neubrandenburg. Hier im Theater kann man das 215 Jahre alte Stück in einer Neuinszenierung von Holle Münsters erleben, welche einen in die tiefe Unterwasserwelt der Tatsachen führt. Das Werk befasst sich mit der verzerrten Realität und der Suche nach der verborgenen Wahrheit, wenn es darum geht den Täter, welcher das antiken Familienstück – einen Krug – zerbrochen hat, zu finden. Dabei werden die Zuschauer Zeugen von Machtmissbrauch und Bevormundung autoritärer Persönlichkeiten.
Betritt man den Saal, so findet man eine versunkene Stadt als Bühnenbild. Auch wenn zuerst nicht bemerkt, liegt in der Darstellung des Stücks ein tieferer Sinn, denn die Unterwasserwelt soll die im Lustspiel unterdrückte oder auch versunkene Wahrheit unterstreichen. Hinzu kommen die anfangs komisch aussehenden Kostüme der Schauspieler, welche Wassertiere darstellen. Dabei ist der
Schreiber / Frau Brigitte (Anika Kleinke) ein Axolotl, die Frau Marthe Rull (Dirk Schmidt) eine Muschel, ihre Tochter Eve (Moritz Russ) ein Oktopus und Eves Verlobter Ruprecht (Toni Maercklin) eine Krabbe. Dieses ausgeklügelte Kostümbild von Antonia Bitter gibt jeder Rolle einen den Tieren
zugeschriebene Eigenschaft, wie z.B. der Mutter Marthe eine Muschel übliche harte Schale mit weichem Kern.
Mit Ausnahme von dem Gerichtsrat Walter (Karin Hartmann) und dem Dorfrichter Adam (Leon Ullrich). Beide tragen für das 20. Jahrhundert typische Kleidung, was diese Figuren besonders hervorhebt, da sie das Gesetz vertreten. Dabei muss unter diesen zwei ebenso unterschieden werden, denn die charakterlichen Züge und die Art und Weise wie das Gesetz vertreten wird, lassen sich mithilfe der Kostüme deuten: während Gerichtsrat Walter, ausgestattet mit Trenchcoat, Hemd und Krawatte – einem klassischen Detektivkostüm – dem Zuschauer das Bild eines gesetzestreuen und aufrichtigen Charakters vermittelt, steht Richter Adam diesem in einer uneleganten, fast schon unordentlichen Kleidung gegenüber – eine Anspielung auf dessen verdorbenen Charakter.
Die Kostümausstattung beweist somit den Einsatz und die Zeit, die in das Stück geflossen sind. Der Besucher sieht nicht irgendein lustlos inszeniertes Theaterstück, welches einfach nur das Geld dem Publikum aus den Taschen ziehen möchte, sondern eine wohl überlegte Inszenierung, die versucht, die tiefe Problematik des Stücks in einer modernen Art dem Publikum zu vermitteln.
Besonders positiv ist die Mischung aus modernen und originalgetreuen Elementen: die altertümliche Sprache passt zum antiken Unterwasserthema. Jedoch gibt es auch Kritik, denn die sprachliche Zeitreise, gepaart mit den ewig langen Dialogen, machen ein Zufallen der Augenlider denkbar leicht. Mehr als die Hälfte der Zeit befindet man sich in der gleichen Szenerie ohne spektakulären Handlungen, es bestehen nur schwer eingängliche Dialoge, die einem aus den Ohren hängen.
Die Schauspieler konnten jedoch durch ihre Ausdrucksstärke das dicke Eis der Ödnis brechen und am Ende für große Spannung sorgen. Hervorzuheben sei dabei Leon Ullrich als Dorfrichters Adam, der seiner Rolle so viel Leben einhaucht, dass man vor Wut und Ekel den Schauspieler dahinter vergessen mag. Ganz zu schweigen von Dirk Schmidt als Mutter Marthe, welcher die mütterliche Fürsorge, mit seiner raumfüllenden Stimme durch das ganze Auditorium trägt.
„Der zerbrochene Krug“ hat mich sehr überzeugt, besonders die ausgetüftelten Kostüme und das sehr wohl überlegte Bühnenbild harmonieren und untermauern das kontroverse Thema des Stücks. Wiederum sind die langen Originaldialoge nicht für jedermann. Zu betonen sei, dass trotz seines Alters das Werk noch immer aktuelle Relevanz zeigt und zum Nachdenken anregt. Die Bekämpfung von Missbrauch, Erpressung sowie Bevormundung sind nämlich in der heutigen Zeit immer noch ein wichtiger Punkt. Daher ist „Der zerbrochene Krug“ nicht nur eine amüsante Komödie, sondern auch ein bedeutungsvolles Theaterstück, das auch heute noch überzeugt und für alle empfehlenswert , die kein Problem mit altertümlicher Sprache haben und tiefgreifende Dialoge verbunden mit gesellschaftlicher Kritik verstehen und lieben.
Leon Petz









