Töchter erinnern sich an ihre Mütter
Was verbindet die 10 c mit den Schicksalen von 27 Frauen aus dem Konzentrationslager Ravensbrück? Die Antwort lautet nüchtern: Neubrandenburg. Im negativen wie im positiven Sinn. Nach dem Krieg als Ort der Hoffnung, von dem die Busse zurück nach Frankreich, Ungarn, Österreich, Norwegen, Ukraine, Italien, Tschechien, Spanien, Polen, Litauen Slowenien und die Niederlande aufbrachen, zurück in die Heimat, aus der sie aus den unterschiedlichsten Gründen ab 1941 verschleppt wurden. Und während des Krieges als Ort der Vernichtung durch Arbeit im größten Ravensbrück-Außenlager mit über 7000 größtenteils weiblichen Häftlingen, die z.B. in der Rüstungsindustrie in den Mechanischen Werkstätten in der Ihlenfelder Vorstadt Zwangsarbeit verrichten mussten. Ein letztes Zeugnis dieses Schreckens steht immer noch in Sichtweite des Albert-Einstein-Gymnasiums, nämlich das Wohnhaus des damaligen Rüstungsfabrikanten in der Demminer Str. 43b (früher Demminer Str. 47).
Einfühlsam begleitet von Bianka Bülow, der Koordinatorin für Gedenkarbeit der Stadt Neubrandenburg, tauchten die Schülerinnen und Schüler der 10 c mit ihrer Geschichtslehrerin und ihrer Klassenleiterin in die Schicksale der 27 Überlebenden des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück im Rahmen der Ausstellung FACES OF EUROPE. Daughters remember their mothers, Prisoners oft he Ravensbrück Concentration Camp in der Regionalbibliothek ein. Tief beeindruckt von dem unfassbaren Lebenswillen, den insbesondere die Portraits dieser Frauen aus der Nachkriegszeit zum Ausdruck bringen, tauschten sich die Schülerinnen und Schüler über die nachwirkendenden Eindrücke der Exkursion nach Ravensbrück und die bemerkenswerten Biographien aus. Dabei gab Frau Bülow immer wieder wertvolle Impulse und machte die 10c auf besondere Botschaften aufmerksam, die alle Frauen gemeinsam hatten: den Willen zum Überleben und den Willen, nach der Inhaftierung wieder ein Leben zu führen, trotz aller seelischen Wunden.
So schrieb Hanna Nowakowska über ihre Mutter Janina Ciszewska, die mit 22 Jahren in Ravensbrück inhaftiert war: „Nach ihrer Rückkehr nach Warschau sagte sie: Ich lebe erneut, erstehe auf von den Toten, lasse das Elend hinter mir, finde Namen, Nachnamen, Adressen, schlafe normal, esse Brot, trinke in vollen Zügen Wasser und habe nachts schwere Träume vom Lager Ravensbrück, das mir die Jugend nahm.“ (aus: FACES OF EUROPE. Daughters remember their mothers, Prisoners oft he Ravensbrück Concentration Camp. Gedenkstätte Ravensbrück. 2. Auflage, 2022.S.37). Diese und andere Erinnerungen von Töchtern und Enkeltöchtern an ihre Mütter und Großmütter haben tiefen Eindruck auf die 10c hinterlassen, viele nachdenklich zurückgelassen und inspirieren, niemals aufzugeben und die Erinnerung an die Frauen und Kinder von Ravensbrück lebendig zu halten.

















