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Schüleraustausch mit Rezekne

Erinnerungen und Eindrücke nach dem ersten Besuch in Rēzekne / Lettland (3.11. – 9.11. 2017)

 

Die Stadt Rēzekne

 

Rezekne war die Stadt, in der wir die Woche in Lettland verbracht haben. Sie ist ungefähr halb so groß wie Neubrandenburg. Die Stadt hat zwei Gesichter, welche wir auch beide kennengelernt haben. Auf der einen Seite gab es die alten, grauen und zum Teil schon sehr heruntergekommenen Gebäude aus der Sowjetzeit und davor und auf der anderen moderne Bauten, wie das Ghors, das Kulturzentrum von Rezekne, ein großes, modernes Gebäude mit Glasfassade. Dazu sieht man im Vergleich zu Deutschland, dass die Leute dort nicht so wohlhabend sind wie bei uns, was ich aber auch gut fand, weil dort Vieles einfacher und unkomplizierter war als bei uns. Besonders schön war auch der Ausblick auf die Stadt von dem Hügel aus, auf dem früher die Burg von Rezekne stand, von der heute nur Ruinen übrig sind.

 

Morten

 

… ist zwar klein in Bezug auf Fläche und Einwohnerzahl, hat aber trotzdem eine erstaunlich riesige Bandbreite an kulturellen Veranstaltungen. Interessant fand ich, dass Rezekne ein aktives Jugendparlament hat, das sich für die Einrichtung von Jugendtreffpunkten sowie die Veranstaltung von Diskos und ähnlichem einsetzt. Das hat eigentlich den Sinn, den Jugendlichen die Region attraktiv zu machen, damit sie nicht in Massen zum Studium abwandern, den Jugendlichen ist das aber relativ egal, genauso wie die Deutschen wollen auch sie „einfach mal Spaß“ haben.

 

Inga

 

 

Die Stadt war zwar sehr klein, ist aber deutlich größer rübergekommen. Durch die Stadt- Tour und den Ausflug am Sonntag konnte man die Stadt echt gut von oben betrachten. Ich war auch überrascht von den vielen unterschiedlichen „Wohnsorten“. Aber das Beste war das WLAN im Bus. Das könnte man auch in Deutschland mal machen. […]

 

Sebastian

 

Die Gastfamilien

 

Freitagabend, nachdem wir endlich Rēzekne erreicht hatten, stand das Kennenlernen der Gastfamilien auf dem Plan. Nachdem wir uns alle in der Schule getroffen haben und in einer kurzen Vorstellungsrunde einander zugewiesen wurden, brachen wir auf zum Heim der jeweiligen Familie. Meine Gastschwester Nikola wohnt außerhalb der Stadt, weswegen ihre Mutter uns abholte. Die circa 15 Minuten Autofahrt fragten sie mich über die Anreise aus und erzählten, wie gespannt und nervös sie vor der Ankunft der Austauschschüler waren. Auch ich war zuvor etwas nervös gewesen, was die Gastfamilien betrifft, da es mein erster derartiger Austausch war und die Aufnahme bei fremden Leuten doch etwas Skepsis aufwarf. All diese Zweifel waren jedoch vergessen, da mir meine Gastfamilie auf Anhieb sympathisch und unglaublich freundlich erschien. Schließlich kamen wir dann beim Zuhause von Nikola an und ich war ziemlich erstaunt und überrascht, da ich nicht damit gerechnet habe, die folgenden Tage in einem so großen Haus wohnen zu dürfen. Wir wurden direkt von 2 großen Hunden empfangen. Darüber hinaus zählten auch ein Kater, der Garfield erschreckend ähnlich sieht, und ein Papagei namens Richie zu den Bewohnern.

Allgemein scheintdas Besitzen von Haustieren in Lettland sehr populär zu sein. Nachdem ich mich kurz in dem Gästezimmer einrichten durfte und eine Dusche nahm, gab es auch schon Abendbrot. Hierbei lernte ich nicht nur den Vater der Familie kennen, sondern auch einige typisch lettische Süßigkeiten, wie beispielsweise eine Art Quark-Frischkäse-Riegel,der mit Schokolade ummantelt ist oder Rigaer Windbeutel.

Den Abend über haben meine Gastschwester und ich noch sehr lange erzählt und einen Film geschaut und ich war dann auch froh, als ich mich endlich ins Bett fallen lassen konnte nach dem aufregenden Tag. 

 

Florentine

                         

 

Meine Gastfamilie bestand lediglich aus meiner Gastschwester Ivita und deren Schwester Kika (Spitzname), deren Eltern in einer anderen Stadt leben. Kika ist 25 Jahre alt und kümmert sich um die Wohnung und die zwei Katzen der beiden, außerdem arbeitet sie in einem Supermarkt. […]

Die Englischkenntnisse von Ivita waren ausreichend zur Verständigung, aber nicht sonderlich gut, ein Grund für sie, sich für einen Gastschüler zu entscheiden. Deutsch lernt sie erst seit kurzer Zeit, somit war diese Option nicht gegeben. Zu Beginn war Ivita sehr schüchtern und hat mich weitestgehend an der Hand hinter sich hergezogen,

am ersten Abend aber ist die Situation dann aufgetaut und wir haben mit der Zeit viele Gemeinsamkeiten zwischen uns feststellen können. Nach und nach hat sie sich eher getraut, Englisch mit mir zu sprechen,

wir haben uns immer verstanden, auch wenn es Ausdrucksprobleme gab – und ihre Lieblingssätze waren „you know what I mean“ und „Ich bin Deutsch“. Ivita hat sich sehr viel Mühe gegeben, mir eine schöne Zeit in Lettland zu ermöglichen, so waren wir am ersten Abend im Kino (der Film war Französisch mit lettischen und russischen Untertiteln, so konnte ich glücklicherweise etwas verstehen) und einkaufen, allgemein wurde ich immer gefragt, was ich gerne essen möchte und gerade Ivitas Schwester hat mich in jeder Situation umsorgt.

Das Leben in der Familie ist sehr auf das Miteinander bedacht. Ivitas Freund verbrachte viel Zeit mit uns, er hatte viele Fragen über Deutschland und über meine Meinung zu Lettland und den dortigen Menschen. Außerdem hatten wir an einem Abend Besuch von einem Freund der Familie, mit dem ich mich zwar nicht unterhalten konnte, für mich wurde aber gedolmetscht und so war auch das eine wirklich interessante Zeit. […]

Die Zeit mit meiner Gastfamilie war sehr lehrreich, schön und entspannt. Gerade die beiden Katzen haben es nie langweilig gemacht, ich habe mich schon nach kurzer Zeit wie ein Teil der Familie gefühlt. Ich werde wohl immer mit Freude an diese Tage zurückdenken und mich unglaublich gern erinnern.

 

Alina

 

 

 

Die Gastfreundschaft der Letten ist einfach unglaublich gewesen: Ich wurde zu jeder Zeit gefragt, ob alles in Ordnung ist, ob ich Hunger habe oder ob ich sonst irgendwas brauche. Des Weiteren wurde mir auch direkt alles abgenommen, wie z.B. das Handtuch nach dem Duschen oder mein Geschirr nach dem Essen.

 

Dominik

 

 

Die Schule in Rezekne

 

Die Schule an sich ist ein eher älteres Gebäude und besitzt mehrere Etagen, die durch 2 Treppen verbunden sind. Die Gänge sind mit vielen Arbeiten aus dem Kunstunterricht ausgeschmückt und halten sogar teilweise Tischtennisplatten bereit.

Es gibt eine Rezeption und sogar einen Garderoberaum, wo jeder Schüler seinen eigenen Haken besitzt. Die Aula der Schule liegt ganz oben und die Mensa unten. Auch die Sporthalle ist mit der Schule verknüpft, in der besonders der Schulsport Basketball ausgeübt wird. Meine erste Unterrichtsstunde war Deutsch mit Frau Lubgane, eine Lehrerin, die uns die Zeit in Lettland über betreut hat. Vor dem Unterricht wurde per Lautsprecher ein Gedicht aufgesagt, dem alle lauschten. Dies scheint an der Schule eine Art Ritual zu sein.

 

Zuvor klingelte natürlich auch die Schulklingel, deren Töne schon beim ersten Mal etwas nervig waren, da sie ziemlich außergewöhnlich ist und gefühlt alle 20 Minuten eine Melodie von sich gibt. Zum Beginn der Stunde standen alle Schüler zur Begrüßung auf und dann wurde sich gesetzt. Das Thema waren Hobbies und Freizeitbeschäftigungen, die wir pantomimisch darstellen und erraten sollten. Daraufhin versuchten wir die Top 5 Freizeitbeschäftigungen der Jugendlichen in Lettland und in Deutschland festzustellen. Ich lag mit meinem Tipp, dass Platz 1 in Deutschland auf jeden Fall durch Fußball belegt wird, leider falsch. Zur Auswertung schauten wir ein Video, was für uns Deutsche ein wenig amüsant war, da sich der Sprecher überdurchschnittlich deutlich und motiviert artikulierte. Nach 40 Minuten war die erste Stunde auch schon geschafft. Andere Fächer, die ich besuchte, waren zum Beispiel Geografie, Chemie, Mathe und Musik. Alle Lehrer waren zu uns sehr freundlich und ließen uns am Unterricht teilhaben. Der Musikunterricht war sehr spannend, da er hauptsächlich praktisch angelegt war. Wir begannen mit einem Einsingen, bei dem wir viele Parallelen zum Chor herstellen konnten. Dann widmeten wir uns einem lettischen Stück. Da die Letten sehr stolz auf ihre Unabhängigkeit sind, singen sie auch im Unterricht hauptsächlich Volkslieder. Die Aussprache war sogar weniger schwer als gedacht und wir sangen alle zusammen. Später dann übten die lettischen Schülerinnen mit der Lehrerin noch andere Stücke, die sie mit Rhythmusinstrumenten unterstützen und beim lettischen Nationalfeiertag aufführen wollen. Insgesamt ist der Unterricht am Staatsgymnasium Rēzekne viel entspannter als hier. Die Lehrer halten sich nicht mit Schülern auf, die zu spät zum Unterricht kommen und ignorieren auch diejenigen, die im Unterricht telefonieren. Die Anderen aus unserer Gruppe berichteten, dass die Schüler in den Kontrollen alle Aufzeichnungen und auch die Bücher verwenden dürfen, denn sie vertreten die Kernaussage „Wissen ist, zu wissen, wo Wissen steht“. Zudem erzählte mir meine Gastschwester, dass sie die Möglichkeit haben, einen Test so oft, wie sie wollen, nachzuschreiben. Die beste Zensur sind in Lettland 10 Punkte, sodass 0 Punkte das schlechteste Ergebnis sind. Dieses Konzept mag einem zwar auf den ersten Blick sehr zusagen, da man so mehr Freizeit hat, aber im Endeffekt ist nicht klar, ob die Schule dort einfacher ist als hier. Trotzdem war es sehr interessant eine Bildungseinrichtung in einem anderen Land kennenzulernen und sie mit der deutschen Schule vergleichen zu können.

 

Florentine

 

 

Dienstag waren wir dann alle zusammen das erste Mal in der Schule und haben uns auch fast alle zufälligerweise am Eingang getroffen. Dann sind wir aber mit unseren Gastgeschwistern in die Klassen gegangen. Wir hatten Mathe und glücklicherweise war Nele auch mit in der Klasse. Im Unterricht selbst hat sich es für uns nicht wirklich angefühlt wie Unterricht. Erstmal kamen einige zu spät und den Lehrer hat es nicht gestört. Auch hat ihn nicht gestört, dass viele am Handy waren. Netterweise sind die Letten aber zum Telefonieren aus dem Raum gegangen. Die Mitschüler haben aber die ganze Zeit nicht ein Wort mit uns geredet und haben uns eher angeguckt, als wären wir Aliens. Der Unterricht war ansonsten eher frontal und hat weniger mit Mitarbeit der Schüler zu tun gehabt. Die Klasse kam auch ansonsten eher sehr unruhig rüber und hatte so wie jede Klasse kleine Gruppen, die sich untereinander in der Pause oder auch im Unterricht zusammengesetzt haben und geredet haben.

 

Sebastian

 

Erstaunt war ich, wie gut man den naturwissenschaftlichen Fächern (in meinem Fall Mathe, Info, Bio und Chemie) folgen konnte, weil die Symbolschreibweisen  bzw. Fachbegriffe (z.B. mejoze = Meiose) die gleichen wie hier sind. Außerdem war der Englisch-Unterricht sehr leicht zu verstehen, am besten fand ich die Stunde, in der uns die lettischen Schüler etwas über ihr Land erzählt haben und wir das dann mit Deutschland vergleichen durften. Die Atmosphäre im Unterricht ist viel lockerer als bei uns, was einerseits durch das nichtexistente Melden verursacht wird, aber andererseits auch durch eine enge Lehrer-Schüler-Beziehung, da sich viele Lehrer und Schüler auch privat ziemlich gut kennen.

Inga

 

Das Konzert

 

Das Konzert fand am Dienstagnachmittag statt. Ich glaube, wir waren alle aufgeregt und etwas nervös. Besonders nachdem wir gesehen haben, was die lettischen Schüler alles aufgeführt haben. Der Chor hat traditionelle Lieder gesungen und es wurden vier traditionelle Tänze aufgeführt. Wir fanden alle toll, wie gut sie getanzt haben und wie stolz sie darauf waren, das aufführen zu können. Ich war sehr überrascht, als ich gesehen habe, dass mehr Jungs getanzt als gesungen haben. Dass die Letten so gut waren, hat unsere Nervosität nur noch verstärkt, zumindest war das bei mir so. Aber als wir auf die Bühne gegangen sind, war die Aufregung schnell wieder vorbei und wir haben so gut gesungen wie wir konnten

Da ich schon zweimal in einer kleineren Gruppe aufgetreten bin, fühlte ich mich ein bisschen sicherer, als wenn es das erste Mal gewesen wäre. Es hat Spaß gemacht aufzutreten und auch zu zeigen, was wir lernen und können. 

 

Nele

 

Tatsächlich war das Konzert irgendwie mein Highlight unseres Aufenthaltes in Lettland. Ich war wirklich echt gespannt, was wir von den lettischen Schülern zu sehen bekommen würden, zumal ich schon bei einer Tanzprobe dabei sein durfte, was mich besonders neugierig auf die traditionellen lettischen Trachten gemacht hat. Generell die Traditionsverbundenheit zu Volkstänzen und –liedern fand ich fantastisch, weil man die Schüler in einem vollkommen neuen Element erlebte. Hinzu kommt, dass ich selber leidenschaftlich Tänzerin bin und es schade finde, dass wir in Deutschland keine eigenen Volkstänze haben. Ich war also sehr angetan von den Tänzen aber auch von den Liedern, die uns präsentiert wurden. Ich weiß von meiner Gastschwester, dass alle wirklich sehr aufgeregt waren, vor uns aufzutreten, doch das haben sie sehr gut gemeistert. Es war für mich auch mal etwas Neues nicht vor einem deutschsprachigen Publikum zu singen, doch es gab wirklich nur positives Feedback, was mich sehr gefreut hat.

 

Lena

 

 

Allgemein möchte ich loswerden, dass die Zeit unvergesslich war, ist und bleiben wird. Diese Erfahrung machen zu können, und dabei, gerade finanziell, von so vielen Seiten unterstützt zu werden, ist einfach fantastisch und eine großartige Chance. Nicht nur kulturell, auch zwischenmenschlich war diese Reise extrem intensiv und hilfreich. Als kleine Gruppe aus dem Chor sind wir enger zusammengewachsen, haben aber auch gelernt, wie ähnlich uns andere europäische Jugendliche sind. Hoffentlich sind die Kontakte, die wir knüpfen konnten, von langer Dauer und die Erinnerungen für eine lange Zeit in unseren Köpfen gespeichert. Trotz der Spontanität in der Organisierung und der zwischenzeitlich stressigen Situation gab es so gut wie keine negativen Zwischenfälle, die im Vorfeld hätten verhindert werden können. Ich hoffe und glaube, wir konnten unsere Schule und stellvertretend „die Deutschen“ in Rezekne angemessen repräsentieren und haben eine gute Grundlage für weitere Zusammenarbeit geschaffen. Denn solche Erfahrungen wünscht man in jedem Fall noch vielen Schülern beider Seiten in der Zukunft.

 

Alina