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Mein Juniorstudium 2018/2019

 

 

 

Es haben sicherlich schon einige von euch vom berüchtigten Juniorstudium an der Hochschule Neubrandenburg gehört. Leider machen es nicht sehr viele Schüler, weil sie es sich stressig oder langweilig vorstellen oder sich gar nichts darunter vorstellen können. Da es sich für mich ziemlich spannend angehört hat und ich das Ganze einmal ausprobieren wollte, habe ich mich entschieden, ein Semester durchzuziehen, und möchte euch ein bisschen über diese Zeit aufklären. Am Anfang war alles ziemlich kompliziert, was aber normalerweise nicht so ist, doch ich habe mich bei einem Studiengang eingetragen, der offensichtlich nicht wirklich für ein Juniorstudium geeignet war: Ich hatte mich nämlich anfangs für Traumapädagogik entschieden, da es sich für mich ziemlich interessant anhörte und ich einmal reinschauen wollte. Ich war bei der Immatrikulationsfeier dabei und wurde auch unter diesem Studiengang auf die Bühne gebeten, doch als ich dann die erste Vorlesung besuchte, wurde ich vom Professor nach draußen gebeten und er hat mir erklärt, was Sache ist. Also habe ich mich ,so schnell es ging, auf die Suche nach einem neuen Studiengang gemacht, was aber gar nicht so leicht war, da ich die Zeit mit meinem Stundenplan abpassen musste, damit ich am Ende nicht in einem Fach fehle, das ich nur einmal in der Woche habe. Doch ich bin fündig geworden: Medizinische Grundlagen der Sozialen Arbeit II – Sozialmedizin. Klingt trocken, aber es war super spannend.  Dazu hatten wir noch eine richtig lockere, nette und entspannte Professorin. Obwohl ich die erste Vorlesung verpasst habe, bin ich von Anfang an super klargekommen. Ich wurde zu Beginn immer seltsam angeschaut, weil ich so viel jünger als der Rest der Studenten war und das nicht gerade alltäglich ist, dass eine 13-Jährige an einer Vorlesung über Sozialmedizin teilnimmt. Doch umso länger ich dabei war , umso mehr wurde ich von den anderen akzeptiert und konnte mich auch in den Vorlesungen einbringen. Ich habe viel dazugelernt, auch wenn viele denken, dass man als „Neuling“ kaum etwas von dem versteht, was dort erzählt wird. Anfangs habe ich immer sehr viel mitgeschrieben. Mindestens 5 Seiten auf kariertem Papier, ohne eine Zeile Abstand zu lassen. Doch später habe ich immer mehr gelernt, auf das Wichtigste zu reduzieren und zu filtern. Ich kann diesen Studiengang nur weiterempfehlen. Die Themen waren sehr interessant und wurden gut und verständlich übermittelt. Es wurden Beziehungen zwischen den einzelnen Teilen der Sozialmedizin verdeutlicht, verschiedene Fachbegriffe des Gebietes erklärt und viel über das Thema „Gesundheit und Krankheit“sowie über Versicherungen, Arzneimittel und ihre Zulassung bzw. weitere Themen der Sozialmedizin gesprochen. Ich habe auch Dinge dazugelernt, die ich so schnell nicht vergessen werde. Wusstet ihr zum Beispiel, dass der Schmerzmittelgebrauch (und –missbrauch) so stark gestiegen ist, dass in einem Jahr über 136 Millionen Packungen, davon 116 Millionen ohne Rezept, herausgegeben wurden? Oder, dass die tatsächliche Lebenserwartung bei Armut um 10 Jahre geringer ist? Oder auch, dass bis zu 60% aller Arbeitslosen unter seelischen oder körperlichen Erkrankungen leiden? Denn im Großen und Ganzen beschäftigt sich die Sozialmedizin mit Ursachen und äußerlichen Einflüssen auf das Krankheitsbild der Gesellschaft. Doch ich habe nicht nur gelernt, was Sozialmedizin ist oder wie man Informationen richtig filtert. Ich habe auch gelernt, wie so eine Vorlesung abläuft, wie ein Teil des Studentenlebens aussieht und habe auch neue Bekanntschaften geschlossen. Einmal ist die Vorlesung kurzfristig ausgefallen und keiner wusste etwas davon. Solange ich warten musste, konnte ich mich trotz des Altersunterschieds sehr gut mit den anderen Studenten unterhalten. Es ist überhaupt eine ganz andere Erfahrung als Unterricht an der Schule und es herrscht ein ganz anderes Klima. Alle verstehen sich eher auf freundschaftlicher Basis und gehen ganz locker damit um, wenn jemand etwas nicht versteht, auch wenn die Frage noch so dämlich ist. Man kann sich auch ruhig mal einen kleinen Spaß erlauben und auch die Professorin scherzt und lacht sehr gerne einmal. Trotzdem gibt es einen gewissen Respekt den anderen und ihr gegenüber. Um es wie eine meiner Mitstudentinnen zu sagen: „Wir sind eine schräge, bunte, komische, aber irgendwie ja doch liebenswerte Familie, wenn man so will.“…

… Das bringt es auf den Punkt und auch, wenn es mir schwerfällt, in Worten zu beschreiben, was ich alles dazugelernt habe, kann ich so viel sagen: Das Juniorstudium hat mich in vielerlei Hinsicht weitergebracht und mir sehr viel Spaß gemacht, sodass ich  es wirklich nur weiterempfehlen kann.