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Studienfahrt nach Weimar

 

Während sich der Zug in Bewegung setzt, ist es ein kleiner Abschied. Häuser ziehen vorbei, dann irgendwann nur noch Felder, Bäume und Dörfer. Es wird mit Karten gespielt, geredet, Musik gehört und geschlafen, aber der Kopf geht schon  die nächste Woche durch. Der Alltag hat einen wieder. Manch einer wäre gerne länger dort geblieben, der andere sehnt sich nach seinem eigenen Bett.

Es fühlt sich wie gestern an, als man denselben Zug in entgegengesetzter Richtung genommen hat. Dabei ist es eine Woche her. Die Gedanken fliegen von einem Eindruck zum nächsten. Verlieren sich für einen kurzen Moment in der Erinnerung. Dann kommt der Zug in Erfuhrt an, weiter geht es nach Berlin, nach Neustrelitz, nach Neubrandenburg, nach Hause.

Vom 09.04.bis zum 13.04.2018 fanden nun auch für die jetzigen 11. Klassen unserer Schule die alljährlichen Studienfahrten statt. 28 Mädchen und Jungen des zweiten Semesters der Oberstufe trafen sich um 10.10 Uhr am Neubrandenburger Bahnhof mit den begleitenden Lehrern – Frau Nitzsche und Frau Hoika – um ihren einwöchigen Aufenthalt in Weimar mit der Fahrt dorthin zu beginnen. Nach etwa vier Stunden Fahrt begann der erste Tag in Weimar mit einem Nachmittag Freizeit, den die meisten nutzten, um die wunderschöne Innenstadt Weimars näher kennen zu lernen und ein Plätzchen für einen Imbiss zu finden.

Wer sich jetzt noch fragte „Weimar, das war ja irgendwas mit Goethe oder?“, dem lieferte die Stadtführung am nächsten Morgen tiefere Einblicke. Nach einer angenehmen Nacht in dem „Comfort Hotel Weimar“, einem Frühstück um 8.00 Uhr und mehr Schlaf als während der Schulzeit machte sich die Schülergruppe auf den Weg in die Innenstadt. Eine zweistündige Führung lud zu einer Reise durch die Geschichte Weimars ein. Von Goethes Liebschaften , Weimar als Hochburg von Kunst und Literatur über Weimar als Ort der konservativen Beständigkeit bis hin zu einem Weimar, das durch revolutionäre Kunstvorstellungen der Bauhausstudenten aufgemischt wurde, jedoch unter Hitler eine ganz neue Rolle als beliebter Aufenthaltsort des „Führers“ einnahm. Weimar ist eine Stadt mit vielen Gesichtern, was die Schüler noch am selben Tag erfuhren, als der Nachmittag von einer Besichtigung der Gedenkstätte Buchenwald eingenommen wurde – Erinnerungen an ein Konzentrationslager, an so viel Leid und Tod nur wenige Kilometer von dem Ort, an dem Jahre zuvor prägende Werke der Künste geschaffen wurden und neue Ideen entstanden.

Am nächsten Tag ging das Kultur-Frönen weiter. Eine lebendig gestaltete Ausstellung aus Videomaterial, Ton, Wachsfiguren und Lichteffekten erzählte im Weimarhaus anschaulich die Geschichte der Stadt bis hin zu Goethes Tagen. Am Nachmittag führte der gemeinsame Weg von Schülern und Lehrern in das Wohnhaus Goethes und zu der zugehörigen Ausstellung zu den Facetten der Person Goethe. Spätestens jetzt wurde der ein oder andere daran erinnert, dass jene Studienfahrt eben nicht grundlos das Wort „Studien“ enthielt und der Aufenthalt in der Stadt nicht allein dem Vergnügen diente. Jeder Schüler hatte sich im Vorhinein einen Auftrag von einem Fachlehrer besorgt, dem er auf der Studienfahrt nachgehen und zu  dem er, wenn möglich oder notwendig, „Nachforschungen“ betreiben sollte. Unter diesen Aufträgen waren beispielsweise Vorträge über bestimmte Seiten der Leben Schillers oder Goethes oder auch das spätere erstellen von schriftlichen Arbeiten zu Themen wie Nationalsozialismus oder Bauhaus. Und so hieß es bei jedem „Kulturpunkt“ für den ein oder anderen Stift und Zettel zücken und fleißig mitschreiben.

Der Donnerstagvormittag stand ganz im Zeichen dieser „Studien“. Die freie Zeit nutzten manche, um die Anna Amalia- Bibliothek zu besuchen, das Nietzsche Archiv zu erkunden oder einfach die Atmosphäre der gemütlichen Stadt zu genießen. Am Nachmittag drehte sich dann alles um Schiller. Ein Rundgang durch die Zimmer in Schillers ehemaligem Wohnhaus brachte uns das Leben des Literaten näher und gab tiefe Einblicke in die Person hinter dem Namen. Da neigte sich die Woche auch schon wieder dem Ende zu. Was noch fehlte, war ein angemessener Abschluss. Dieser fand sich in einem Zwei- Mann- Bühnenstück, in dem es sich Goethe und Schiller nach ihrem Tod auf selbstironische und komische Weise zum Ziel setzen, Faust neu und vor allem besser zu inszenieren. Auch wenn es ungewohnt   und grotesk zu klingen scheint – es funktionierte. Eine Interaktion zwischen Freundschaft, Liebe und Neid fand in 90 Minuten eine Bühne und entlockte dem Publikum immer wieder den ein oder anderen Lacher. 

Und dann war es vorbei. Am nächsten Morgen nach vier gefüllten Tagen hieß es aufstehen, frühstücken, zum Bus gehen, zum Zug fahren, nach Erfurt, nach Berlin, nach Neustrelitz, nach Neubrandenburg, nach Hause fahren.  Während die Welt vor den Fenstern vorbeizieht, zurückdenken. Und dann ankommen.