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Wassergeister: Das Böse aus der Tiefe?

Die Wassergeister oder auch Kelpies sind magische Wesen aus der schottischen und keltischen Sagenwelt. Oftmals treten sie in der Gestalt eines kräftigen, wunderschönen Pferdes auf. Sie können aber auch die Form von meist jungen, attraktiven Menschen annehmen.

 Das Wort Kelpie hat sich im Laufe der Zeit  als eine Art Oberbegriff für die vielen verschiedenen pferdeähnlichen Wassergestalten herausgebildet. Deswegen werden sie auch immer wieder unterschiedlich beschrieben, dargestellt und bezeichnet. Was man aber im Allgemeinen über Kelpies sagen kann, ist, dass fast jedem Gewässer, egal ob stehend oder fließend, die Existenz eines Wasserpferdes nachgesagt wird. Die Geschichten über die Pferde sind, entgegen dem was man annehmen könnte, keinesfalls welche, in  denen sie als gute Wesen dargestellt sind. Oftmals werden die Kelpies sogar als von Dämonen besessene Bestien beschrieben. Diese Bezeichnung ist den Sagen zufolge auch verdient.

Normalerweise verbringt das Wasserpferd seine Zeit am Ufer eines Sees oder Flusses. Die Menschen, die an dem Gewässer vorbeikommen, fangen an sich zu wundern, wer so ein prächtiges Tier zurücklassen würde. Es liegt  in der menschlichen Natur, sich alles nehmen zu wollen, was man begehrt. Also versucht der Mensch in den meisten Fällen auf den Rücken des Rosses zu klettern. Wer dies versucht, ist dem Untergang geweiht. Denn sobald der Mensch auf dem Rücken des Dämonen sitzt, prescht es zur tiefsten Stelle des Gewässers. Der Reiter ist durch eine klebrige Flüssigkeit auf dem Rücken des Tieres gefangen und kann nicht mehr abspringen. Das Kelpie ertränkt ihn, zerreißt sein Opfer in Stücke und verschlingt es bis auf die Leber. Diese lässt es auf der Wasseroberfläche treiben, damit die ansässigen Bewohner wissen, dass es wieder ein Opfer gefordert hat.

Diese grausigen Geschichten wurden erzählt, damit vor allem Kinder Abstand vom Wasser halten. Deswegen gibt es auch eine Sage, die sich speziell  auf Kinder bezieht. In ihr erscheint das Kelpie als niedliches Pony. Es läuft  am Strand auf eine Gruppe von spielenden Kindern zu. Diese wollen, als sie das Pony entdecken, alle auf seinen Rücken klettern. Damit alle Kinder Platz finden, verlängert das Kelpie sogar seinen Rücken. Auf diese Weise finden alle, bis auf einen Jungen, Platz. Das letzte Kind versucht das Tier zu streicheln. In dem Moment fängt das Wasserpferd an, die klebrige Flüssigkeit abzusondern. Der Junge versucht loszukommen. Als er dies nicht zu tun vermag, schneidet er sich mit einem Messer seine Hand ab. Der Knabe ist der einzige, der überleben kann. Seine Freunde werden von dem Wassergeist in die Tiefen des Sees getragen und dort verspeist.

Man merkt schon, dass es den Menschen damals nicht an Kreativität und Vorstellungskraft gefehlt hat. Einige Forscher sagen, dass diese Geschichten und Mythen aus Überlieferungen von Opfergaben und Festen an die alten Wassergeister und Götter entstanden sind. Also haben die Menschen, nachdem sie aufgehört hatten, an viele Götter zu glauben und sich dem Christentum anschlossen, die Opferfeste immer mehr entfremdet und ihnen wilde Ausschweifungen angedichtet. Am Ende sind aus diesen fantasievollen „Nacherzählungen“ die Sagen von den Kelpies entstanden.