Navigation

Hexerei?

Artikel: Nordkurier 10.10.2017

Preis geholt – und das ganz ohne Hexerei

Was hat die Kleine Eiszeit mit der Hexenverfolgung zu tun? Eine ganze Menge, haben Schüler des Einstein-Gymnasiums gelernt. Ihr Film mit Handpuppen zu dem Thema hat sogar den Bundespräsidenten überzeugt und bringt sie heute nach Schwerin.

Hexenverfolgungen und -verbrennungen sind ein dunkles Kapitel der Menschheitsgeschichte. Wie kam es überhaupt zu diesen grausamen Hinrichtungen und woran hat man den angeblichen Hexen die Schuld gegeben? Das hat wahrscheinlich mit der Kleinen Eiszeit zu tun, einer kälteren Klimaperiode, die im 15. Jahrhundert begann. Anika, Finn-Constanz und Kelvin kennen sich damit inzwischen gut aus, sie haben sogar einen Film über den Zusammenhang gemacht. Der ist so gut geworden, dass sie am Montag die Physik-Arbeit in der 8b verpasst haben und nachschreiben müssen. Bei der Chemie-Arbeit heute sind sie ebenfalls nicht dabei, das beschert ihnen wohl eine mündliche Kontrolle. Aber das nehmen sie gern in Kauf. „Für das Projekt lohnt sich das“, meint Anika. 
Schüler gehören zum Inventar der Burg Penzlin 
Schließlich bekommen nur wenige Schüler eine Einladung ins Schweriner Schloss, um von einer Ministerin ausgezeichnet zu werden. Im gemeinsamen Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten und der Körber-Stiftung, der diesmal unter dem Motto „Gott und die Welt. Religion macht Geschichte“ stand, gehören die Schüler mit ihrem Film nämlich zu den Landessiegern und werden heute ausgezeichnet. Und bevor sich die drei Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums (AEG) mit Lehrer Martin Pforte auf den Weg in die Landeshauptstadt machen, hatten sie am Montag auch noch einen Fernseh-Termin auf der Burg Penzlin. In dem alten Gemäuer gehören Finn-Constanz Lange und Anika Draeger nämlich im wahrsten Sinne des Wortes zum Inventar. 
Martin Pforte, der im Projekt „Spielpforte“ schon mit zahlreichen Schülern verschiedene Wettbewerbsbeiträge erarbeitet hat, war auf der Suche nach einem festen Kooperationspartner und klopfte bei der Burg Penzlin an. Die Verantwortlichen des Museums wollten die Schüler erst mal testen. So kam es, dass Anika und Finn-Constanz – der schon mal den Vorlesewettbewerb gewonnen hat und dafür bestens geeignet war – in einem Film zwei Fledermaus-Handpuppen spielen und dazu das Leben der Fledermäuse erklären. Museumsbesucher können sich das bei ihrem Rundgang auf der Burg ansehen und anhören. 
Einer Maus-Puppe Flügel aus Jeans genäht 
Als dann der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten ausgeschrieben wurde, dachte man sich im AEG und auf der Burg, dass zum Thema Gott und die Welt und Religion auch die Hexenverfolgung gut passt. Neben Anika und Finn-Constanz hat auch Kelvin Moritz aus ihrer Klasse bei dem Film mitgemacht – er spricht die Fledermaus, die der Hexe die Zusammenhänge erklärt. Wer sie sieht, erkennt große Ähnlichkeit mit einer richtigen Maus. „Es gab keine Fledermaus mit Klappmaul, deshalb haben wir eine Maus-Puppe genommen und ihr aus Jeans einen Flügel-Anzug genäht“, erklärt Martin Pforte. Die Hexe konnte nur als Symbol dargestellt werden, denn auch eine Klappmaul-Hexen-Puppe war bisher nicht aufzutreiben, da sei man noch auf der Suche. Sprechen, die Puppen spielen und am Computer den Film entstehen lassen – diese Mischung beim „Spielpforte“-Projekt mache immer wieder Spaß, sagt Finn-Constanz. 
Die 250 Euro Preisgeld, die die Schüler heute in Schwerin bekommen, fließen aber nicht etwa in die Klassenkasse. Anika hat vor- geschlagen, sie für die Kinder- Krebsstation im Bonhoeffer-Klinikum zu spenden.